Fraser Island – Oder die groesste Sandkiste der Welt

Wieder so ein Tag wo der Wecker meint er muesste schon um 6:50 Uhr klingeln, was geht eigentlich ab? Aber das fragen wir uns sowieso ein wenig, nachdem wir nun Sydney verlassen haben und die ersten Tage auf dem Weg nach Cairns verbracht haben. Es wird hier bereits um 5:00 Uhr früh hell, aber auch schon wieder um 19:30 Uhr dunkel und es wird so schnell dunkel, man koennte fast den Eindruck gewinnen, da nimmt jemand den Schalter und stellt das Licht aus. Eine Erklaerung haben wir nun auch bekommen, im Gegensatz zu Sydney (New Southwales) gibt es in Queensland keine Sommerzeit, aber dass sollte mal dringend geaendert werden.
Nun denn, die Nacht war vorbei und ich schaelte mich noch so ein wenig aus dem Bett, waehrend Jessy schon wieder putzmunter war. Wie macht sie das nur? Eine kleine Fruehstuckspause eingelegt, wir brauchten ja diesmal nicht so viel, am Vorabend gab es ja lecker Nudeln mit Mexikanischer Bolognese- Sauce, wobei die Nudeln diesmal aus dem Wasserkocher kamen, dass funktioniert wirklich 🙂
Puenktlich um 7:40 Uhr standen wir vorm Motel und warteten auf unseren Bus Richtung Fraser Island. Ein paar Minuten spaeter hielt auch ein kleiner Bus an, der Tourscout stieg aus und fragte auch gleich nach unserem Namen und ob wir die Fraser Island Tour gebucht haetten. Wir bejahten dies und waehrenddessen sagte er, wie sollte es auch anders sein, wir koennten auch auf Deutsch mit ihm sprechen, er ist vor 12 Jahren hierher ausgewandert. Zunaechst holten wir noch ein paar weitere Teilnehmer ab, wobei sich das bei den letzten beiden ein wenig schwierig gestaltete, diese waren wohl noch beim Fruehstuck und liessen sich auch noch ein wenig Zeit, nachdem wir vor der Tuer standen, aber der Tourscout blieb sehr freundlich. Ein wenig spaeter waren wir bei der Faehre und liessen den Bus zurueck. Auf Fraser Island stehen bereits Tourbusse mit Allrad- Antrieb zur Verfuegung. Die Insel darf nur mit Allrad- Fahrzeugen befahren werden, was bei dem Sand auch Sinn macht.
Wenig spaeter befanden wir uns auf der Faehre und verliessen den Hafen von Hervey Bay. Es gab eine kleine Vorfuehrung wie man Schwimmwesten anlegt, wobei man merkte dass unser Tourscout (Hennig) eher zu der spassigen Seite gehoehrt. Aber eigentlich brauchte man keine Schwimmweste, da selbst wenn die Faehre untergeht, in der ganzen Bucht das Wasser nicht tiefer als 2m ist.
Nach einer guten Stunde Fahrzeit machten wir uns so langsam zum anlegen bereit. Ich stand auf dem Oberdeck vorn und schaute mir an, wie der Kapitän den Faehranleger herunterliess. Er schien die Leute auf dem Fahrzeugdeck ein wenig aergern zu wollen, er liess es bis ca. 1m unter der Wasserlinie hinunter, einige Wellen spuelten ordentlich Wasser ueber das Deck und die Gaeste freuten sie ueber Nasse Fuesse.
Nachdem anlegen ging es auf die Insel und in unseren kleinen Tourbus. Im Bus war Platz fuer 16 Leute. Wir waren kaum auf dem Weg, da versorgte uns Henning auch schon mit allen wichtigen Informationen zur Insel. Die Insel ist wohl 800.000 Jahre alt und besteht zu 99% aus Sand. Auf der Insel gibt es Vegitation und darunter ist eigentlich alles vertreten, Buschland, Regenwald, Sandduenen und eine Mondlandschaft. Im Sand der Insel steckt viermal soviel Wasser wie im Hafen von Sydney vorhanden ist, dass muss man sich mal vorstellen.
Jessy und ich auf Fraser Island Unsere Tour ueber die Insel fuehrte uns entlang einer sehr schmalen Sandstrasse, auf der wir mit der Breite vom Bus gerade so drauf passten. Macht euch keine Vorstellung, dass es eine befestigte Strasse oder aehnliches gewesen waere, es war einfach nur eine zwei bis drei Meter breite Schneisse durch den Wald, mit Sand befestigt. Dementsprechend gab es hier auch einige Schlagloecher und Wasserloecher und was nicht alles. Man kam sich vor, wie in einer Schiffsschaukel, es ging die ganze Zeit auf und ab. Henning meinte dazu aber, dass die Strasse kein Tempolimit hat und, wie alle anderen in Australien auch, mit 100km/h befahrbar waere und wir das Tempo spaeter auch noch drastisch anheben wuerden.
Wir machten zunaechst erstmal einen Stopp im Regenwald und liefen den ein wenig entlang, uns wurde natuerlich empfohlen dringend auf dem Pfad zu bleiben, da nebenher alles an Haustieren vorhanden ist, was auch auf dem Festland lebt (einige der giftigsten Spinnen und Schlangen). Kurz vor dem zweiten Stopp sahen wir ein Dingo, nun meinten wir, dass wir hiervon noch sehr viele sehen werden, dies scheint hier aber nicht mehr der Fall zu sein, da diese auf der Insel wohl nahezu ausgerottet wurden, da sie Besucher gebissen und ein Kind zu Tote gebissen haben. Dies lag aber daran, dass immer mehr Besucher den Dingo`s was zu futtern gaben (trotz der mehrfachen Hinweise dies zu unterlassen) und die Dingo`s nicht mehr auf die Jagd gingen sondern einfach auf die naechsten Touristen warteten. Als diese den Dingos aber nichts gaben, bissen diese zu. Mit dem Kind ist es sehr ungluecklich gelaufen, dass Kind ist gefallen und die Dingos dachten, es wohle mit ihnen spielen. Danach fingen die Ranger an, die Dingos abzuschiessen. Mittlerweile ist der Bestand auf ca. 50 Stueck reduziert.
Am zweiten Stopp gab es eine kleine Fruehstuckspause und wir fuehren weiter. Auf dem Weg zur anderen Seite der Insel fiel die Klimaanlage immer wieder aus. Henning wollte mal schauen, ob er noch was machen kann. Generell ist dies aber nicht ungewoehnlich, der Bus war in seinem 7. Jahr und hatte bereits 4 neue Motoren, 3 neue Klimanlagen bekommen, 3 Rahmenwechsel hinter sich und was nicht noch alles, an Reperaturen. Den 8. Geburtstag wird er wohl nicht mehr erleben. Nebenbei erwaehnte er noch, dass auf einer Tour vor einer Woche gleich 4 Busse dahin gerafft wurden, einer durch Differntialausfall, der naechste durch einen Achsbruch, ein weiterer fing gleich Feuer usw. Und das alles passierte an einem einzigen Tag. Das liegt an den enormen Belastungen hier.
Da waren wir nun auf der anderen Seite der Insel und auf dem Weg zu Happy Valley. Dort fliesst einer der Suesswasserfluesse ins Meer. In seiner trockenen Art erzaehlte unser Tourscout Henning ueber die vorhandenen Haustiere auf dieser Seite der Insel im Meer. Es waere auf keinen Fall Ratsam hier schwimmen zu gehen, unter anderem gibt es Haie die laenger als der Bus sind, Feuerquallen, Stachelrochen (man denke nur an Steve Irwin), Wasserschlangen, die Portugisische Gallere und noch so einiges mehr. Sollte das nicht reichen, wird man spaetestens mit der starken Meeresstroemung nicht fertig, da 200m vor der Insel die Australische Kontinentalplatte liegt und es dort im Meer nur mal eben 4000m in die Tiefe geht. Ausserdem erzaehlte er noch, dass letztes Jahr erst ein 18 jaehriges Maedchen mit 3 Haien um die Wette schwamm, sie dies aber leider nicht ueberlebte..
So zogen wir den sehr breiten und sauberen Suesswasserfluss vor. Das Wasser war Kristallklar, dabei handelte es sich ja auch nur um Regenwasser welches mehrmals durch den Sand gefiltertet wurde.
Nach diesem Aufenhalt ging es auf dem Highway Fraser Island`s weiter, damit ist uebrigens der Strand gemeint, der bei Ebbe 16 Spuren umfasst und bei Flut nur 1. Uebrigens sind hier wirklich 100km/h erlaubt und ihr werdet es nicht glauben, aber hin und wieder kontrolliert hier dass Ordnungsamt und macht Radarkontrollen… Das soll man sich mal reinziehen, am Strand mit mehr als 100 Sachen entlang zu heizen und dann wird man auch noch geblitzt 🙂
Ein paar Kilometer weiter lag ein Schiffswrack am Strand, Maheno Schiffswrack - Fraser Island man koennte sagen der Vorgaenger der Titanic. Das Schiff war zu seiner Zeit 1870 eines der modernsten Schiffe und bot Platz fuer 500 Passagiere. Es wurde an die Japaner verkauft, die es abschleppten. Im Sturm riss allerdings die Abschleppleine und es wurde hier an den Strand gespuelt, seitdem liegt es hier und wird vom Meer so langsam zerfressen. Auf der weiteren Fahrt kamen wir an einer Gedenktstaette der Aborigines vorbei. Im Glauben der Aborigines sollte eine Prinzessin eine Pruefung auf der Erde ablegen. Sie liess die Insel Fraser Island entstehen und verliebte sich in den Regenbogen, allerdings gab es einen alten Mann der eifersuechtig auf den Regenbogen war und diesen mit seinem Boomerang bewarf und ihn schwer verletzte. Der Regenbogen legte sich an dieser Stelle hier nieder und starb, so entstanden die Pinnacles. Die Maenner der Aborigines duerfen sie beim vorbei gehen nicht ansehen und muessen aufs Meer schauen, da es eine Gedenkstaette der Maedels ist.
Danach gabs erstmal Mittag. Barbecue war angesagt, Jessy nahm Fisch und ich bekam ein Tellergrosses Steak. Obwohl Henning mehrmals auf seine schlechten Kocheigenschaften verwies, war es doch sehr lecker. Um uns rum liessen sich einige Kakadu`s nieder, die gerne am Mittag teilgenommen haetten. So hofften sie, dass was abfallen wuerde, aber wir blieben artig und assen alles auf. Nach diesem kurzen Stop war der Tag schon fast wieder vorbei und wir machten uns so langsam auf dem Weg zurueck zur Faehre. Es gab noch ein Zwischenstopp an einem See, an dem wir Schwimmen konnten. So stuerzten wir hinunter zum See und gingen aber nicht sofort rein, da sich direkt am Ufer ca. 20 – 30 kleine Schildkroeten tummelten. Jessy und die Schildkroeten - Fraser IslandErst einige Zeit spaeter verschwand ich ein wenig im Wasser zwischen Schildkroeten und kleinen Fischen die eifrig versuchten meine Beine zu fressen 🙂
So naeherte sich der Tag schon wieder langsam dem Ende. Der Weg fuehrte zurueck, natuerlich ueber eine Sandpiste. Und da war er wieder, ein weiterer Dingo. Henning konnte es garnicht fassen und sagte, dass das schon sehr lange her ist, dass er auf seiner Tour mehr als einen Dingo sah, wenn er ueberhaupt einen gesehen hat. Er fuhr langsam drauf zu und der Dingo setzte sich einfach mitten auf die Strasse und liess sich garnicht beeindrucken. Einige Meter vor ihm blieben wir stehen, wir stiegen vorsichtig aus und machten einige Fotos und man soll es nicht glauben, im Hintergrund tauchten noch zwei weitere Exemplare auf. Dingos auf Fraser Island Echt genial. So haben wir von den 50 Stueck fast 10% gesehen, dass nenn ich mal einen Erfolg.
Der weitere Weg fuehrte am Sumpf vorbei. Uebrigens geht der Sand 600m tief nach unten. Die Ami`s hatten mal wieder langeweile und fuehrten Bohrungen durch und nach 600m Sand kam Wasser. Trotzdem wollten sie im Sumpf hier einen Flughafen, im zweiten Weltkrieg, gegen die Japaner aufbauen. Die Australier wiesen sie noch darauf hin, dass es nicht gehen wird, da die Insel nur aus Sand und Wasser besteht, aber der Amerikaner gibt ja so schnell nicht auf. So fingen sie 1942 an, mit riesigen Pumpen, dass Wasser aus dem Sand zu pumpen. Nach Kriegsende waren sie immer noch dabei und gaben zwei weitere Jahre spaeter auch auf und hinterliessen einen riesiegen See, der langsam wieder im Sand versickerte 🙂
Als Tourscout war Henning einsame Spitze. Er erzaehlte die ganze Tour ueber und sagte alles auf Deutsch und auf Englisch. Allein das Durchhaltevermoegen den ganzen Tag zu reden und nur Informationen raus zu hauen, hat Respekt verdient. Ich koennte hier noch einige Seiten mehr ueber die Insel schreiben, aber ich denke es soll jetzt mal reichen 🙂
Da waren wir wieder auf der Faehre und verliessen diese beeindruckende, faszinierende Insel, die man unbedingt mal gesehen haben muss, wenn man hier in der Naehe ist. Ich kann aber nur jedem empfehlen, wenn er die Zeit hat, sich ein Allrad- Fahrzeug zu nehmen und die Insel selbst zu erkunden. Das muss so eine Riesengaudi machen, mit einem Gelaendewagen hier ueber die Insel zu heizen, echt irre.
Wenn die Zeit nur knapp sein sollte auf jeden Fall eine Tagestour mit Fraser Island Tours Ltd. Ein riesigen dank an Henning unseren Tourleiter, war eine gelungene Tour und die Infos waren spitze. Achja und das Essen und der Fahrstil waren auf jeden Fall in Ordnung 🙂
Bevor ich`s vergesse, wir lernten noch einige Deutsche kennen, ist ja nicht ungewoehnlich. Ein Ehepaar, welche aus Potsdam kamen, die hatten auch schon eine Hammertour hinter sich und er Urlaub naeherte sich auch so langsam dem Ende. Und noch vier Leute aus der Naehe von Chemnist. Hier auch nochmal einen schoenen gruss an euch, ich werde mich nach unserem Urlaub per Mail melden, bis dahin wuensche ich euch einen schoenen Resturlaub!

Ich sitze uebrigens gerade im Garten unseres Motels und schreibe diesen Eintrag. Heute war zur Abwechslung echt mal ein Urlaubstag, wir sind zwar frueh aufgestanden, aber nach einem langen Fruestuck war nur Stadterkundung angesagt und ab Mittag lagen wir faul am Strand und verschwanden mehrmals im ca. 29°C warmen Wasser. Soviel zur Abkuehlung im Meer. Gleich steht noch ein All you can Eat beim Mexikaner auf dem Plan und so werden wir den Abend auch langsam ausklingen lassen. Dies waren schon wieder unser 3 Naechte in Hervey Bay. Morgen gehts weiter nach Bundaberg zu den Schildkroente und meinem neuen Lieblingsgetraenk, Bundaberg Ginger Beer.
Ihr muesst uns uebrigens die Daumen druecken, seit 17 Jahren scheint es ausgerechnet wieder im diesem Sommer richtig zu regnen in Australien. Einige Strassen sind wohl gesperrt und einige Orte uberflutet, wenn wir pech haben, faellt unsere Segeltour ins Wasser und das waere sehr Schade. Also drueckt uns die Daumen, wenn ihr koennt! 🙂

4 thoughts on “Fraser Island – Oder die groesste Sandkiste der Welt

  1. Anne Dickgreber

    Guten abend Ihr Lieben
    ich drucke gerade eure letzten reiseberichte aus. meine mutter ist ganz verrückt auf die berichte und ich hoffe ihr habt nichts dagegen wenn ich sie weitergebe. Ihr Kommentar: der junge mann schreibt wirklich super, spannender als jeder Roman und so wenig Rechtschreibfehler.
    Viel Spaß noch
    Anne Dickgreber

  2. Enidan487

    Hy ihr beiden, da bin ich wieder! Na das war dann wohl mal eine gelungene Tour, was? Habt ihr denn auch schon einige Haie gesehen?(Außer im Aquarium) Ach ja, und habt ihr auch schon klein Tiere gegessen, wie Würmer oder so (wie die aus dem Jungel Camp) muss man doch schließlich auch mal gemacht haben 🙂 Wo bleiben eigendlich die Fotos euerer Erlebnisse? Da sind immer noch keine neuen, so langsam wird es doch mal wieder Zeit, meint ihr nicht? Naja, drücke euch auf jeden fall die Daumen für euere Segeltour! Werdet bald wieder von mir hören!!! 🙂

  3. Nina

    Bin grad echt verwirrt, Laura war ja auch auf Fraser Island und hat erzählt, dass der Campingplatz in einem Gitterkäfig ist, um vor der größten Dingo-Kolonie Australiens zu schützen und dass sie die ganze nacht Dingos gehört hat… wobei 50 ja vielleicht schon die größte ist… Gut, dass euch keiner gebissen hat und ihr so viele coole Sachen gesehen habt!!!

  4. Freut mich, wenn die Einträge so gut ankommen und auch zahlreich gelesen werden, auf jeden Fall weitergeben, dafür sind die Berichte ja da 🙂
    An meinen Rechtschreibfehlern werde ich noch arbeiten, aber leider kommen bei der kurzen Zeit für die Berichte immer wieder welche dazwischen und ich hab keine Korrektur dabei.
    Da scheint der PC ja auch wieder zu funktionieren, würde aber auch Zeit 🙂
    Hi Schwesterherz, wann ich wieder Fotos reinstelle kann ich nicht sagen, dafür bräuchte ich wieder ein vernünftig funktionierendes WLAN und dafür sieht es bisher nicht gut aus. Kann sein, dass es die restlichen Fotos erst zu sehen gibt, wenn wir leider wieder daheim sind.
    Naja, wie gesagt es war keiner der Campingplätze, die wir gesehen haben, umzäunt und es wurden fast alle durch die Ranger dahin gerafft. Und das bei einer Insel die als Weltnaturerbe gilt und auf der man eigentlich nichts verändern darf… Soviel dazu.
    Sieht übrigens gut dafür aus, dass ich mein Ginger Beer demnächst auch in Deutschland geniessen darf 🙂

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